Presseberichte
24.04.2018, 08:10 Uhr | MAZ - Ruppiner Tageblatt 24.4.2018 / Andreas Vogel, Reyk Grunow
Zwischen Hoffen und Bangen
Ralf Reinhardt (SPD) und Sven Deter (CDU) treten am 6. Mai noch einmal zur Landratswahl an
Neuruppin. Natürlich hätte er sich gewünscht, es wenigstens bis in die
Stichwahl zu schaffen. Doch Christian Scherkenbach ist realistisch: Als Arzt und Betriebsrat ist er vielleicht an den Ruppiner Kliniken in Neuruppin bekannt. In vielen anderen Orten im Landkreis können die Wähler mit seinem Namen aber eher wenig anfangen. Und dem einen oder anderen ist dann vielleicht
auch noch ein weiterer Arzt lieber als ein neuer Chef der Kreisverwaltung in Neuruppin. 15,7 Prozent der Stimmen hat Scherkenbach, der parteilos ist, aber für die Linke ins Rennen um den Posten des Landrates in Ostprignitz-Ruppin ging, bei der Abstimmung am Sonntag bekommen. Damit hat er Platz
drei unter den fünf Kandidaten erreicht. Vor ihm liegen Sven Deter von der CDU mit 27,6 Prozent der Stimmen und Amtsinhaber Ralf Reinhardt (SPD), für den 40,7 Prozent der Wähler gestimmt haben. Hinter Scherkenbach liegen Petra Hentschel von der AfD mit 10,7 Prozent der Stimmen und Hans-Georg
Rieger (BVB/Freie Wähler), der 5,3 Prozent holte. Gewählt ist damit keiner der fünf Bewerber. Reinhardt und Deter stellen sich am 6. Mai zur Stichwahl. Bis
dahin dürften sie noch rotieren. Die Abstimmung am Sonntag hat klar gezeigt, welcher Kandidat wo im Landkreis vorn liegt – und wo nicht. Der Sozialdemokrat Ralf Reinhardt stammt aus Kyritz, auch wenn sein Wohnort Vehlow seit der Gebietsreform 1993 kurz hinter der Kreisgrenze in der Prignitz liegt. Bevor er vor acht Jahren Landrat wurde, war Reinhardt Bürgermeister in
Wusterhausen – und offenbar beliebt. Im Kyritzer, Heiligengraber und Wusterhausener Bereich holte Reinhardt am Sonntag besonders viele Stimmen. In Barsikow bei Wusterhausen stimmten fast drei Viertel der Wähler
für ihn. In sieben Stimmbezirken haben sich mehr als zwei Drittel der Wähler für Reinhardt entschieden, alle in den Altkreisen Kyritz oder Wittstock. Zwar lag Reinhardt auch in anderen Orten am Sonntag vor seinen Herausforderern – doch meist weniger deutlich. CDU-Mann Sven Deter holte sein bestes Ergebnis im Neuruppiner Ortsteil Wulkow. Mehr als 60 Prozent der Wähler haben dort dafür gestimmt. Deter kennt dort jeder, und auch in den Orten rundherum ist er sehr bekannt. Lange war er Stadtverordneter in Neuruppin,
noch immer ist er Mitglied im Kreistag und Ortsvorsteher in Wulkow. Vor allem in den kleineren Orten hat Deter gepunktet; vielleicht auch, weil man ihn dort als Landwirt, Vorsitzenden des Kreisbauernverbandes und Vizepräsident des
Landesbauernverbandes besonders gut kennt. Sven Deter punktete am Sonntag vor allem in den Neuruppiner Ortsteilen Wulkow, Nietwerder,
Radensleben, in Strubensee und Herzberg im Amt Lindow; dort stimmte mindestens jeder zweite Wähler für ihn. In einigen Ortsteilen von Wusterhausen oder Kyritz holte er indes nicht einmal zehn Prozent der Stimmen. In Alt Ruppin lagen Deter und Reinhardt fast gleichauf. Christian Scherkenbach bekam die meiste Zustimmung in Roddahn bei Neustadt, wo er mit Ralf Reinhardt bei jeweils 40,9 Prozent der Stimmen an der Spitze lag. In Zempow und in der Gegend rund um die Kita Birkengrund in Neuruppin lag er sogar vor allen anderen Kandidaten. Fast elf Prozent aller Wähler im Kreis Ostprignitz-Ruppin haben bei der Landratswahl für die Kreisvorsitzende der AfD aus Neuruppin gestimmt. In wenigstens vier Stimmbezirken bekam sie die meisten Stimmen aller Bewerber. Ganz vorn dabei: Schweinrich. Dort stimmten 21 von 50 Wählern für die AfD-Kandidatin – 41,2 Prozent. Auch in mehreren Rheinsberger Ortsteilen holte sie besonders viele Stimmen. Der Rheinsberger Rechtsanwalt Hans-Georg Rieger holte sein bestes Ergebnis in Rohrlack im Amt Temnitz. Zehn der 47 Stimmen entfielen auf ihn; zusammen mit Christian Scherkenbach lag Rieger dort auf Platz zwei hinter Reinhardt.
Platz zwei erreichte er ebenfalls in Dorf Zechlin. Die Stimmen waren am Sonntag kaum ausgezählt, da bereiteten sich die Parteien schon auf die Stichwahl am 6. Mai vor. CDU-Kreischef Jan Redmann war nicht überrascht, dass es keiner der fünf Kandidaten in der ersten Runde der Direktwahl geschafft hat, Landrat zu werden. „Das war doch abzusehen“, sagte er am
Sonntagabend; die Christdemokraten hatten vorher eigene Plakate für die Stichwahl in Auftrag gegeben. Die SPD hat darauf verzichtet. Sie schickte dafür noch am Sonntagabend ihre Unterstützer los, die schon bestehenden Plakate mit einem zusätzlichen Aufkleber als Hinweis auf die Stichwahl in zwei
Wochen zu versehen. Alle, die am Sonntag zur Wahl aufgerufen waren, sind es auch am 6. Mai. Neue Wahlbenachrichtigungen werden nicht verschickt; jeder kann die weiße Karte, die er bereits bekommen hat, für die Abstimmung
noch einmal benutzen. Wer vor der Abstimmung am vergangenen Sonntag Briefwahlunterlagen angefordert hatte, bekommt sie auch für den 6. Mai automatisch zugeschickt. Ob er bei der Stichwahl einen der anderen beiden Kandidaten unterstützt? Christian Scherkenbach hat sich noch nicht entschieden: „Ich werde die beiden Kandidaten in den nächsten Tagen erst einmal beobachten.“ Politisch will er sich weiter engagieren – im Betriebsrat der Ruppiner Kliniken und in deren Aufsichtsrat. Die Lage im Krankenhaus
und in dessen Tochterfirmen war für ihn ein wesentlicher Grund, als Landrat zu kandidieren. Der Landrat ist im Unternehmen Chef im Aufsichtsrat und Gesellschaftervertreter. Unsicher ist, ob am 6. Mai genügend Wähler abstimmen werden, damit der Sieger die Stimmen von mindestens 15 Prozent aller Wahlberechtigten hinter sich vereint. Denn nur dann ist er auch gewählt.
Wird dieses so genannte Quorum hingegen verfehlt, dann haben sich die Kandidaten in den vergangenen Wochen vergeblich gemüht. Dann wird allein der Kreistag entscheiden, wer neuer Landrat wird. Kreiswahlleiter Dietmar Tripke hofft deshalb, dass sich die Wähler einen Ruck geben und bei der Stichwahl einem der zwei verbliebenen Kandidaten ihre Stimme geben. „Die
Wähler sollten sich für einen der zwei entscheiden“, sagt Tripke. Bei der Landratswahl vor acht Jahren war das Quorum verfehlt worden – der Kreistag hatte das letzte Wort. Im ersten Wahlgang hatte CDU-Mann Egmont Hamelow
knapp 42 Prozent erreicht, Ralf Reinhardt gut 28 Prozent. In der Stichwahl jedoch kehrte sich das Verhältnis um: Reinhardt kam auf 50,5 Prozent, Hamelow auf 49,5 Prozent. Letztendlich entschied aber der Kreistag.
 

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